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TTC Vorstand 1952


 

 

Vereinsgeschichte

 

Die ersten Nachkriegsjahre sind vorbei, das Wort „Wohlstand“  ist aber noch kein Bestandteil der jungen Bundesrepublik. 

 

Die Olympischen Spiele finden in Helsinki statt und wir durften wieder teilnehmen.


Bei Wilh. Heise, in der Langen Geismarstraße, kosten 1 Pfund Tomaten 30 Pennig und 100 gr. Schokolade ganze 50 Pfennig.


In den Kinos laufen Heimatfilme und per Stellenangebote suchte man Melker, Friseusen und Küchenhilfen.

 

In dieser Aufbauzeit haben einige junge Leute der TT-Abteilung von RW Göttingen Schwierigkeiten mit der Vereinsführung. Sie lösen sich vom Hauptverein und gründen, trotz aller Unkenrufe, am 05. Sept. 1952 den TTC Göttingen. Die Gründungsversammlung fand in der Gaststätte „Neue Fink“ in der Roten Straße statt.


Als Vorsitzender wurde Werner Schlichting gewählt, der dieses Amt dann bis 1960 ausübte.


Man begann den Spielbetrieb mit zwei Mannschaften. Die erste spielte recht erfolgreich in der 2. Verbandsliga. Schon bald, 1953, folgten Freundschafts-spiele mit Motor Erfurt und Motor Jena. Mittlerweile wissen wir, dass dies zu den politisch-geschichtlichen Besonderheiten des 20. Jahrhunderts zählt.          


Bereits 1955 stößt die Wahl des 1. Vorsitzenden auf Schwierigkeiten. Eine Auflösung des jungen Vereins kann noch einmal abgewendet werden. Schon zwei Jahre später stöhnt der Vorsitzende über die vielen Junioren und die nur wenig vorhandenen Herren im Verein. Im Protokoll lässt er vermerken: „Jetzt geht es richtig los!“ Die Mitgliederzahl wächst und plötzlich ist auch eine Damenmannschaft da. In den Annalen des Vereins kann man darüber folgendes lesen: „Die Damen waren ein besonderes Kapitel. Anfangs ging es gut und plötzlich war es aus.“ Was immer das auch heißen mag, es gab natürlich Erfreuliches und weniger Erfreuliches, wie überall.


Immerhin wies der TTC Göttingen im Jahre 1958 vier Herrenmannschaften, eine Damenmannschaft und vier Jugendmannschaften auf.


Unter Androhung einer Geldbuße in Höhe von 1,- DM, bei Nichterscheinen zur Jahreshauptversammlung, gab es am Ende der 50ziger Jahre dann aber volle Versammlungen. Man bedenke, dass ein Bier (0,2 l) nur 40 Pfennig kostete.

Der Beginn des neuen Jahrzehnts brachte auch den Beginn der Ära August Löwe. „Er wurde zum Vorsitzenden gekürt, weil seine Person einen großen Eindruck auf die Versammlung gemacht hatte“, schreibt der damalige Protokollant. Er hat damals sicher nicht wissen können, dass sein ironisch klingender Satz genau ins Schwarze treffen würde, denn der TTC Göttingen ohne August Löwe, wäre wie die Suppe ohne Salz. Gestattet sei allerdings auch die Frage nach August Löwe ohne den TTC. 1961 trennte man sich aus beruflichen Gründen vorübergehend für ein Jahr, doch dann begann die bemerkenswerte Sportehe, die bis 2002 andauerte.


Die sportlichen Erfolge waren zufriedenstellend und die finanzielle Grundlage stabil. So ausgestattet beging man 1962 das 10-jährige Jubiläum in der „Alten Fink“ in der Nicolaistraße. TT Offizielle überbrachten Glück-wünsche und A. Schütte heftete die ersten Nadeln an die Revers von drei Vorstandsmitgliedern. Von diesen Nadeln wahrscheinlich angezogen wurde ein Jahr später festgelegt, dass es für 10-jährige Mitgliedschaft nun eine silberne Ehrennadel des Vereins geben solle. Dieser Beschluss führte dazu, dass ein Vereinsmitglied einige Jahre später bemerkt haben sollte: „Der Wert der Vereinsnadeln ist ja höher als der Kassenbestand!“


Ein weiterer Höhepunkt folgte dann mit dem Besuch beim ESV Freimann in München. Diese Fahrt, sicherlich in ihrer Art einmalig, wird heute noch in gemütlicher Runde erwähnt, weil die Vielzahl der lustigen Vorkommnisse für die Beteiligten unvergessen bleibt. Tischtennis wurde auch gespielt, allerdings nicht so erfolgreich.


Bald darauf zogen einige junge Leute des Vereins die Uniform an, eine allgemeine Fluktuation begann und die Mitgliederzahl des Verein sank auf 40. Deshalb wurde auch der Monatsbeitrag um 25 Pfennig erhöht. Der gewählte Kassierer bekam trotz des eindeutigen Votums „kalte Füße“ und er erklärte sich für nicht kompetent.


Der ESV-Freimann kam zu Besuch nach Göttingen. Die TTC Faschingsfeiern wurden zu jährlichen Höhepunkten, der Sportbetrieb lief normal, die Kasse des Vereins wies ein Plus von 621,00 DM auf.


Auch die zweite Münchenfahrt, Pfingsten 1966, wurde ein voller Erfolg. Die Fahrt war natürlich anders, aber sportlich glich sie der Ersten.


Man beging nun das 15 jährige Bestehen in kleinen Rahmen mit einem Kostenbeitrag von 2,50 DM.


Der TTC hatte in dieser Zeit 5 Herrenmannschaften, 1 Damenmannschaft, aber auch leider nur ein Jugendteam. Dieser fehlende Nachwuchs verfolgte uns leider viele Jahre. Dafür aber traten die Herrenmannschaften am Ende der 60ziger spielstärkemäßig in den Vordergrund. Sie und das erfolgreiche Abschneiden einiger Aktiver auf Turnieren ließ den TTC zu einem festen Begriff im Göttinger Raum werden. Sogar im Fußball wurde erfolgreich agiert. Man schlug Hellas Göttingen in einem Freundschaftsspiel mit 3:1 Toren.


Mit 6 Herrenmannschaften und zwei Jugendteams startete man in die 70ziger Jahre. Dieses Jugendteam vertrat die Stadt Göttingen 1970 in Cheltenham. Eine neue Besuchswelle begann, mit der Weinstadt Heppenheim. Der gegenseitige Besuch wechselte sich ab.

 

Der TTC führte die „schriftliche Einteilung“ ein und förderte ab sofort das
Training für die jüngeren Senioren. Viele sportliche Aktivitäten wurden Ende
1972 vom „München Attentat“ überschattet, trotzdem fand das 20jährige Jubiläum am 29.09.72 im Ratskeller statt.


Im Sommer 1973 vertrat wiederum ein Teil der Jugendmannschaft des TTC die Stadt beim Sportbesuch in Cheltenham. Kurz darauf fuhr der TTC wieder gen Süden. Das Weinfest hinterließ seine Spuren es wurde ganz schön „geledert“. An einer Autobahnraststätte erfuhr ein Ober die Bedeutung des Wortes „dito“.


Es wechselten sich beim TTC Göttingen Karnevals– und Walpurgis-veranstaltungen, Schweineessen, Wanderungen und die gut besuchten Skatturniere vor Weihnachten ab.


Nach außen betrieb der Verein mehr PR-Arbeit. Das Tageblatt druckte auch manchmal was, aber die Eintragung in das Vereinsregister wurde mit Mehrheit abgelehnt.


Sportliche Misserfolge (Abstieg der 1. und 2. Herren) wurden überwunden, denn die 1. Mannschaft stieg sofort wieder auf. Es beginnen nun die ersten Planungen für das 25jährige Jubiläum des Vereins in zwei Jahren.


Die „Familie“ weist als reiner Tischtennisverein nunmehr 86 Mitglieder auf und belegt damit in Göttingen den zweiten Rang. Der Vorstand wird erstmalig für zwei Jahre gewählt. Man merkt, das große Fest naht. Eingeleitet wurde es mit einem Jubiläumstunier, als offene Stadtmeisterschaft von Göttingen, am 20./21.08.1977 in der Godehardhalle. Die vielseitigen Bemühungen fanden mit über 250 Aktiven einen durchaus würdigen Rahmen. Es folgte der Kommers im Ratskeller und am 10.09.77 der Festball im Hotel Ropeter. Den musikalischen Rahmen bildete das Nova-Quartett. Filmaufnahmen wurden an diesem festlichen Abend gemacht, aber sie vielen der Tücke der Technik zum Opfer. Der Kameramann hatte die „Kappe" vergessen abzunehmen und so blieben diese einmalien Dokumente für immer im Dunkeln.


Die sportlichen Erfolge der Mannschaften waren eher negativ, aber die Kasse zeigte ein deutliches Plus, vielleicht auch deshalb, weil die fleißigen Helfer des Turniers auf ihr Essen verzichtet hatten - oder mussten sie das??


Im Spätsommer 1978 fuhren einige unentwegten TTCer zu einem Freundschaftsspiel zu „Paloma Hamburg“. Hamburg bei Nacht war natürlich prima, aber leider war am nächsten Tag alles furchtbar auf den Magen geschlagen.


Der Alltag war wieder eingekehrt und man stellte fest, dass der Kinderfasching nach vielen Jahren nun mangels Masse ausfallen müsse. Dafür wurde das Schweineessen zum neuen Renner und war vorerst nur den Vereinsmitgliedern vorbehalten, denn es gab verständlicherweise oft räumliche Engpässe.


Rote Trikots, mit einem auf dem Ärmel angebrachten Vereinsabzeichen, zierten nun die schlanken Körper der Spielerinnen und Spieler. Die Zahlen aus dem Jugendbereich nahmen zu und der TTC suchte dringend einen Jugendtrainer für seine vier Mannschaften.


Das zweite große TT-Tunier, Anfang September 1979, wird in 5er Gruppen durchgeführt und hatte fast 400 Teilnehmer. Dieser Austragungsmodus ist heute bei vielen Turnieren üblich geworden und wurde, mit Verlaub gesagt, in Göttingen durch den TTC hoffähig gemacht. Ganz besonders freute sich der Kassierer über das Turnier und plötzlich war auch das Essen Bestandteil und Abschluss arbeitsreicher Stunden. Weit wichtiger jedoch war die Tatsache, dass der TTC Göttingen das Jahrzehnt mit mehr als einhundert Mitglieder abschloss. 


Besonders die starke Mädchenmannschaft ragte jetzt aus der erfolgreichen
Arbeit heraus. Der TTC begann die große Lücke, die einmal entstanden war,
allmählich zu schließen. Eine neue Generation wuchs heran.


Das TT-Tunier im August 1981 wurde nun schon langsam zur Routine und die Teilnehmerzahlen sprengten mit über vierhundert Aktiven fast die Möglichkeiten des Vereins. Während der Herrenbereich etwas stagnierte, ergriffen die Damen mit drei Mannschaften die Initiative im Verein. Als Ausgleich wird ein TTCer, in Östereich wohnend, zum Ehrenmitglied ernannt.

 

Im Sommer 1982 unternimmt der TTC einen Ausflug in die Lüneburger Heide. Der Höhepunkt ist eine Kutschfahrt mit reichlich Wurst und Getränken.


1983 bekommt der Verein wieder eine Damenwartin und verlegt seinen Spielbetrieb vom Gymnastikraum des Hainberggymnasium in die kleine Turnhalle der Jahnschule. Dieser Umzug wird sich insgesamt als positiv herausstellen.


Das zum festen Bestandteil gewordene TT-Tunier, bisher alle zwei Jahre
durchgeführt, wurde sogar bundesoffen ausgeschrieben und fand Ende August unter guter Beteiligung statt. Sogar ganz prominente Bundesligaspieler hatten der Damenwartin telefonisch ihre Zusage gegeben, aber es kamen dann doch nur weniger bekannte Spieler - war die Zusage doch nur ein Scherz?


Der verstärkte finanzielle und auch personelle Einsatz für die Jugend wurde nun allmählich spürbar. 25 aktive Jugendliche konnte der Verein nun aufweisen.


1985 wurde erneut die Notwendigkeit der Eintragung in das Vereins-register erkannt und auch umgesetzt. Der TT-Alltag zeigte dennoch eine
nachlassende Trainingsbeteiligung. Die bisherigen „Macher“ im Verein wurden etwas müde und das große Turnier wurde zum letzten Mal im September 1985 durchgeführt. Die wieder große Beteiligung erbrachte einen Rekordgewinn für die Kasse des Vereins. Trotzdem blieb es bei der Entscheidung, denn der enorme Arbeitsaufwand lohne sich nicht mehr, so argumentierten jedenfalls einige Verantwortliche - schade!


Das übliche Auf und Ab eines Sportvereins begleitete auch den TTC Göttingen. Erfolg und Misserfolg lagen dicht beieinander. Glücklicherweise wurde der monotone Terminplan doch zu langweilig, man rappelte sich auf und übernahm die Ausrichtung der Kreismeisterschaften.

 

Mit dieser Aufgabe wurden die 90ziger Jahre eingeläutet. Die Organisation und die exzellente Küche verrieten dann doch eine umfangreiche Erfahrung bei Turnieren. Außerdem sollte diese Durchführung auch der Generalprobe für die Norddeutschen Meisterschaften dienen, die der Verein durchführen wollte.


Die letzten Jahre waren insbesondere durch die gute Jugendarbeit bei Mädchen und Jungen gekennzeichnet. Die Norddeutschen Meisterschaften vom 15./16. Febr. 1992 waren der sportorganisatorische Höhepunkt beim TTC. Sie brachten neben hervorragenden Sport auch eine überaus erfreuliches finanzielles Plus. Das verabreichte kalte Buffet hinterließ auch bei den verwöhnten Funktionären den insgesamt positiven Eindruck. So versetzte uns das Turnier in die Lage, vier blaue TT-Tische kaufen zu können, denn die Stadt Göttingen war dazu leider finanziell nicht in der Lage.

 

Fortsetzung folgt ............................................